Unsere Schulgeschichte geht auf das Jahr 1808
zurück. Zu dieser Zeit gehörte das Stift Quedlinburg
zum Königreich Westfalen, zum “Sant-Depertement”,
diesem stand der Präfekt Josler vor. Eine Madam Ebert aus
Frankfurt/Oder bat in einem Brief an den Konsistorialrat und
Oberhofprediger, Dr. Hermes, eine Erziehungsanstalt für
Frauenzimmer in unserer Stadt errichten zu dürfen, da es
an dergleichen hier mangelte.
1808 gründet Madame Wippermann (die Frau des Kaufmanns
und Fabrikanten Wippermann aus Quedlinburg) die erste “Private
Höhere Töchterschule” mit 40 Schülerinnen.
Die private Anstalt hatt nur wenige Klassen, was zu ständigem
Geldmangel für die Ausbildung, hauptsächlich aber
für die Besoldung des Lehrerpersonals führte. Willkürlich
wurden die Unterrichtsfächer festgelegt, die Schule konnte
mangels ungenügender Schülerzahlen nicht weitergeführt
werden.
1840 nahmen sich die Stadt, der Staat und die Kirche dieser
Anstalt an mit Zuschüssen aus dem großen Gotteskasten
(Regierungskasse). Somit konnte Dr. Schöpfer die “Höhere
Töchterschule” als Privatschule neu gründen.
1841 wurden vier Klassen unterrichtet.
1843: Ab diesem Jahr waren es insbesondere “Geistliche
Dirigenten“, die sich trotz ständiger finanzieller
Schwierigkeiten um die Weiterführung der Anstalt verdient
machten.
2. März 1863: Eine finanzielle Grundlage wurde geschaffen,
als unter Bürgermeister Brecht die Anstalt als “Städtische
Höhere Töchterschule” in den Besitz
Quedlinburgs überging.
1865 – 1872 war der erste Rektor Herr Hasenbalg. Er erhielt
vom Magistrat in Quedlinburg eine Dienstanweisung, in der viele
vernünftige Anschauungen enthalten waren. Sie reichte von
der körperlichen Ertüchtigung im Sinne GutsMuths bis
zur Forderung nach einer gediegenen Geistes-, Gemüts- und
Charakterbildung. Für die damalige Zeit war diese Zielsetzung
höchst modern.
Der Unterricht fand bereits seit 1808 im Hause der Familie Wurmstich
in der Hohen Straße 63 statt. Es herrschten dort allerdings
sehr schlechte Bedingungen, berichtet wird von Unzuträglichkeiten
wie herumlaufenden Mäusen im Unterricht.
1872 – 1897 war Herr Theodor Müller Rektor der Schule.
01. November 1876: Es zogen 140 Schülerinnen in das Gebäude
des Zimmermanns Rath in der Weberstraße ein.
1879 wurden bereits 170 Mädchen unterrichtet.
1894 brachte der gebürtige Quedlinburger, Kultusminister
Bosse, die große Änderung der Schultypen. Die Schule
hieß nun “Höhere
Mädchenschule” und wurde eine neunklassige
Anstalt mit vier Vorschulklassen.
1897 – 1905 war Herr
Dr. Hans Löhr Rektor an dieser Schule
und nahm in dieser Zeit den ersten großen Erweiterungsbau
vor, ebenso wurde eine Aufbauklasse eingeführt (211 Schülerinnen
plus 19).
1905 – 1909 war
Herr Dr. Ehrichs Direktor.
1908 erhielt die Schule aufgrund der neuen Schulreform den Namen
“Lyzeum”.
1909 – 1911 war an unserer Schule Herr Dr. Theile Direktor.
1910 wurde unter seiner Leitung der zweite Erweiterungsbau vorgenommen.
1911 – 1916 war Herr Dr. Kraft Direktor. In seine Amtszeit
fiel als großer Höhepunkt die 50-Jahrfeier der Schule
(1863: Übergang der Anstalt in städtischen Besitz).
1916 – 1932 übernahm Herr Knoke die Schulführung.
1918 fiel das Vorschulsystem weg
1919 gliederte Direktor Knoke eine einjährige Frauenschule
an und übernahm ein Jahr später das privat geleitete
Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnenseminar
auf dem Neustädter Kirchhof. Kurz darauf tauchte die Frage
des Oberlyzeums und damit die Einführung der Reifeprüfung
und Hochschulberechtigung auf.
1932 übernahm Herr Oberstudiendirektor Ernst Posselt die
Schulleitung.
1935 wurde die dreijährige Abiturstufe eingeführt
und das Lyzeum wurde in eine Oberschule für Mädchen
umbenannt.
1938 legten die ersten Abiturientinnen in Hauswirtschaft ihr
Abitur ab.
04. Juli 1938: Die Schule erhielt den Namen “Elisabeth
Loeper”
Um 1938 verteilten sich die Schulgebäude auf die Weberstraße
6 (Hauptgebäude) und das Seminar (Kindergärtnerinnen
und Horterzieherinnen) in der Weberstraße 9,
in der Kaplanei befanden sich der Kindergarten
und noch weitere Klassenräume, in der Heiligengeiststraße
war der Kinderhort untergebracht.
1941 wurde erstmals das Abitur in sprachlicher Form abgelegt.
November 1944 – Kriegswirren: Alle Schulen mussten geschlossen
werden, nur die Süderstadtschule und das Hortgebäude
in der Heiligengeiststraße konnten geheizt werden. Unterricht
fand nur stundenweise statt, mit bis zu 75(!) Schülern
pro Klasse.
April - September 1945: In Quedlinburg fand kein mehr Unterricht
statt. Am 19.04.1945 wurde Quedlinburg von den Amerikanern,
danach von den Engländern und schließlich von den
sowjetischen Streitkräften besetzt.
Oktober 1945: Der Unterricht wurde auf Anordnung der Militärbehörden
wieder aufgenommen. Die Mummentalschule und unsere Schule dienten
bis 1946 als Lazarett und russische Kaserne. Schüler beider
Schulen besuchten die Bosseschule. Mangel an Heizmaterial, Fliegeralarm,
Lehrermangel und eine zunehmende Anzahl von Flüchtlingen
führten zu extremen Zuständen. Der Rektor der Mummentalschule,
Dr. Mahlow, wurde Schulrat für Quedlinburg und Aschersleben.
Januar 1946: Jedes Kind erhielt 1/2 Liter Suppe täglich
und je Dekade 50 g Nährmittel.
1946/47 Die Schulen Mummental, unsere Schule und die Marktschule
wurden gemeinsam geführt. Rektor war nun Herr Stolze. Es
gab 8 Oberklassen, 23 Grundschulklassen - zusammen 1391 Schüler.
Größtenteils wurde noch immer in der Bosseschule
unterrichtet.
November 1946: Die Mummentalschule zog in das Gebäude Weberstraße
6, welches zugleich das Hauptgebäude wurde.
1947/48: Herr Alfred Hoffmann wurde Rektor. Es gab 15 Ober-
und 25 Unterklassen - zusammen 1713 Schüler. Jede Woche
beann mit dem Flursingen (seit 1938 war die Mummentalschule
„Singende Schule“). Die Schule
war durch Fritz Prieß als musizierende Schule über
die Stadtgrenzen Quedlinburgs bekannt.
1948/49 hatte die Schule insgesamt 1691 Schüler, die Klassen
1 bis 3 waren im Gebäude der Marktschule und Klassen 4
bis 8 in der Weberstraße untergebracht. Aufgrund der Raumnot
wurde vor- und nachmittags unterrichtet.
1. September 1949: Es erfolgt die Teilung der großen Schule,
die Marktschule wird selbständig, Schulleiter wurde Herr
Dieter Wolf.
1949/50 standen im Hauptgebäude der Weberstraße 12
Klassenräume, 1 Aula, 1 Physiksaal, 1 Turnhalle, 1 Lehrerzimmer,
1 Schulleiterzimmer mit Vorzimmer, 1 Kartenzimmer, 2 Nadelarbeitszimmer
und 1 Zeichensaal zur Verfügung. Im Vordergebäude
(Weberstraße 9) waren 3 Klassenräume, 2 Nadelarbeitszimmer,
1 Arztzimmer, 1 Brötchenausgabezimmer und eine Haushaltsküche
untergebracht.
26. Juni 1950 Es erfolgte die Umbenennung der Mummentalschule,
Hauptgebäude Weberstraße 6, in Ursula-Goetze-Schule.
Die Schule hatte zu dieser Zeit 21 Klassen. Viele Lehrer wechselen
in den Westen Deutschlands, so dass die Schüler und Schulleitungen
ständig neuen Situationen gegenüberstanden.
Januar 1954 wurde Herr Bröckel Direktor.
September 1955: Die Marktschule und die Ursula-Goetze-Schule
wurden zusammengelegt und mit 31 Klassen eröffnet - in
der Marktschule die Klassen 1 - 4 und in der Weberstraße
die Klassen 5 - 8. Die Unterstufenklassen der Marktschule wurden
Übungsklassen des IFL.
1958/59 wurde die 9. Klasse eröffnet und im darauf folgenden
Schuljahr drei neunte sowie eine 10. Klasse. Damit war die Ursula-Goetze-Oberschule
eine voll ausgebaute Polytechnische Oberschule.
Mit Beginn der 70er Jahre wurde die Marktschule zu einer selbständigen
Polytechnischen Oberschule, der Oberschule 3.
Von 1960/61 bis 1989/91 wurde unsere Schule von Herrn Tannert,
Herrn Wünsch, Herrn Weller, Herrn Papenmeyer, Herrn Pape
und Herrn Öding geleitet.
1991/92 - das Schuljahr nach der Wende: Frau
Ursula Palme übernimmt die Schulleitung. Unsere Schule
wird durch die Schulreform Grundschule mit
den Klassenstufen 1 -4.
Frau Palme richtet die Lese-Rechtschreibklassen
für Kinder der Klassen 2 und 3 aus dem gesamten Landkreis
ein, die bis heute an unserer Schule geführt werden. Auch
gibt es wieder Vorschulklassen. Von 1993 - 2005 werden diese
an der Marktgrundschule geführt.
Zahlreiche Umbaumaßnahmen an dem sehr veralteten und maroden
Schulgebäude finden statt. Ein Kraftakt, der sich bis in
das Jahr 2004 ziehen soll. Begonnen wird mit den Fenstern, den
Heizungen, dem Dach sowie Malerarbeiten in den Klassenräumen.
Februar 1992: Die Schule wird umbenannt in “Neustädter
Grundschule”
1994 - 96 werden die Toilettenanlagen
erneuert.
Ab 1997 erfolgen die Erneuerung der Elektroanlagen und die Gestaltung
der Flure, und Klassenräume.
Im Jahr 2004 können wir sagen:
Unsere Schule ist endlich wunderschön!
Wir nennen sie auch gern “Bunte Schule”,
da sie schon
beim Eintreten ihre
Besucher in freudlichem Gelb begrüßt. Die Räume
sowie Flure erstrahlen in unterschiedlichen Farben.
Mehrere Gesetzesänderungen müssen seit der Wende durch
die Lehrkräfte in sorgfältiger Fleißarbeit an
die Schüler und Eltern herangetragen werden. So gibt es
z.B. "feste Öffnungszeiten" (Schulbeginn- und
Schulschluss wurden durch Gesetz festgelegt). Danach erfolgt
die Änderung zur “Schule mit verlässlichen
Öffnungszeiten” (eine Betreuung während
der Schulöffnungszeit wurde abgesichert).
Weiterhin sind wir „singende Schule“ geblieben,
z.B. unser traditionelles Treppensingen
in der vorweihnachtlichen Zeit wird jedes Jahr von vielen Gästen
und Eltern besucht.
Eine Theatergruppe
ist unser ganzer Stolz. Zweimal im Jahr gibt es eine Premiere
und mehrere Vorstellungen. Außerdem werden viele Projekte
an unserer Schule durchgeführt.
Der staatlich geleitete Hort ist anfangs (1990) in der Oeringer
Straße (das Gebäude wurde bereits abgerissen), dann
erfolgt der Umzug in die Weberstraße
9 und anschließend in das Hauptgebäude unserer Schule.
Im Schuljahr 2001/02 wird der staatliche Hort
durch die Stadt übernommen. Außerdem erhalten wir
im gleichen Schuljahr einen neuen Spielplatz
sowie einen Computerraum.
2002/03 übernimmt Frau Ilona Brodmann die Schulleitung.
Unter ihrer Leitung wird die Mediothek neu eingerichtet sowie
Kooperationsverträge
mit der Kreisbibliothek und der
Förderschule abgeschlossen.
Seit 2005/06 ist unsere Schule “Förderzentrum
für Sprache“.
Im
November 2006 feiert die Neustädter Grundschule in einem
großen und eindrucksvollen Festakt ihr 130jähriges
Bestehen.
Wir blicken mit Stolz auf unsere Schulgeschichte
zurück.
(Erarbeitet von S. Schmidt)